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Im Traum eine bessere Welt entdeckt

Schauspielerin Andrea Börner trug Dostojewski vor – Alle Plätze im Sniederhus waren besetzt

WJA
   |   
07.04.2013
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„Kulturerfrischung“ trifft mit literarischer Kost den Nerv des Publikums.
WITTMUND
 – 

In Gedanken versunken lief die Schauspielerin Andrea Börner am frühen Freitagabend durch den voll besetzten Veranstaltungsraum des Sniederhuses, zündete eine Kerze an und setzte sich in einer Ecke an einem Tisch unter einem Fenster. Von nun an zog sie das Publikum mit ihrer Lesung von Fjodor Dostojewskis Kurzgeschichte „Traum eines lächerlichen Menschen“ in ihren Bann. Dabei trug sie immerhin die Hälfte des im Original 54 Seiten langen Werks in einer szenischen Darstellung vor, im Hintergrund lief leise eine CD mit der passenden Musik. Initiiert wurde die Veranstaltung von elf gebürtigen Wittmundern, die unter dem Namen „Kulturerfrischung“ erstmalig während des vergangenen Bürgermarkts mit einem eigenen Programm in Erscheinung traten.


Gab es im Januar noch ein Konzert mit einer Trio-Cover-Band im Jugendzentrum, musste es für die Gruppe um Stefan Tobias und Gritje Peters diesmal schon die hochwertige Literatur des im 19. Jahrhundert lebenden Fjodor Dostojewski sein. Er gilt als einer der bedeutendsten russischen Schriftsteller, der sich in seinen Werken vor allem mit gesellschaftlichen Fragen und der Psyche des Menschen auseinander setzte. Letztere steht auch im Mittelpunkt seiner Kurzgeschichte „Traum eines lächerlichen Menschen“, bei der ein Ich-Erzähler im Traum eine bessere Welt entdeckt. Das gesamte Werk besteht aus dem Monolog einer eindrucksvoll von Börner verkörperten Hauptperson, die mit dem Gedanken spielt, sich das Leben zu nehmen.


Den Revolver schon aus der Schublade geholt, schläft der Protagonist in seinem Sessel ein und wird im Traum von einem unbekannten Wesen auf „eine andere Erde“ getragen. Dort leben die Menschen in einem Paradies, als hätte es den Sündenfall nie gegeben. Sie kennen keine Gefühle wie Eifersucht, kennen keinen Glauben, ringen nicht nach wissenschaftlichen Erkenntnissen und haben keine Wünsche. Stattdessen sind sie einfach nur fröhlich und glücklich. Als der Ich-Erzähler aus seinem Traum erwacht, stößt er seinen Revolver bei Seite und möchte der Welt nun seine gewonnen Erkenntnisse als „Wahrheit, die sich aber noch nicht durchgesetzt hat“ verkünden. Doch er wird von seinen Mitmenschen nur verlacht. Er stellt sich selbst die Frage, wie man das Paradies auf Erden errichten könnte, findet darauf aber keine Antwort.


Börner hat diese Erzählung schon auswendig vor 90 Leuten in einem Nebenstudio des westfälischen Landestheaters in Castrop-Rauxel vorgetragen. Mittlerweile ist die gebürtige Jeveranerin als Schauspielerin freiberuflich tätig und wohnt in Carolinensiel, wo sie den „Traum eines lächerlichen Menschen“ bereits im November im dortigen Gemeindehaus in einer szenischen Darstellung vorlas. Ins Sniederhus kamen am Freitagabend etwa 40 kulturbegeisterte Bürger zu Börners Auftritt, der seinen Abschluss in einem Dialog mit den Besuchern fand.


Das Team der „Kulturerfrischung“ setzte übrigens ganz bewusst auf die Wittmunder Begegnungsstätte als Veranstaltungsort, um so ein generationenübergreifendes Publikum anzusprechen. Mit diesem Ansinnen rannte es bei Margret Holzke, Angestellte des Sniederhus-Trägers, offene Türen ein. „Unsere Begegnungsstätte ist kein Haus nur für Alte“, sagte Holzke denn auch in ihrer Begrüßungsrede. Noch erwähnenswert, dass die „Kulturerfrischung“ aufgrund der guten Beteiligung am vergangenen Freitag eine weitere Lesung mit Börner plant, dann soll es der Kriminalroman „Tannöd“ von Andrea Maria Schenkel werden. Auch an einem Programm für den diesjährigen Bürgermarkt werde bereits gefeilt.







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