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Vortrag löst große Betroffenheit aus

Diskussion über Euthanasiemorde und Zwangssterilisation im Nationalsozialismus

Von WILKO MEYER
   |   
05.09.2013
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Die Resonanz auf den Vortrag von Dr. Alfred Fleßner zeigt, dass das Thema in Esens bis heute unvergessen ist.
ESENS
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In der Aula des Niedersächsischen Internatsgymnasiums Esens (NIGE) wurde ein Vortrag mit anschließender Diskussion über die Euthanasiemorde und Zwangssterilisation zu Zeiten des Nationalsozialismus in der Heilanstalt Wehnen, heute Gedenk- und Dokumentationsstätte Alte Pathologie, gehalten.


Initiiert wurde die von einhundert Interessierten besuchte Veranstaltung in Kooperation des Ökumenischen Arbeitskreises Juden und Christen in Esens mit dem ebenfalls in der Bärenstadt ansässigen Bürgerforum gegen Rechtsextremismus. Nach einigen kurzen Eröffnungsworten seitens der Schulleitung des NIGE begann der mit anschließender Diskussion gut zwei Stunden dauernde Vortrag des Referenten und Historikers der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg, Dr. Alfred Fleßner.


In der dreigegliederten Ausführung stellte Dr. Fleßner zunächst den historischen Hintergrund der Eugenik heraus. Demnach geht der Begriff auf den Sozialdarwinismus des britischen Naturforschers Charles Robert Darwin sowie auf Francis Galton zurück und wurde 1883 als solcher erstmals erwähnt.


Nach einem kurzen Exkurs in die Etymologie des Begriffes wurde der Fokus speziell auf die Situation während des Dritten Reiches im Oldenburger Raum gelegt, wo Wehnen eine Sonderstellung genoss. So waren die ersten Morde durch eine Überdosis an Medikamenten oder aber durch Mangelernährung in der Nervenklinik bereits drei Jahre vor der Aktion T4, welche den eigentlichen Beginn der Euthanasiemorde markierte, zu verzeichnen. Ab 1939 war die mit einer Kapazität von 400 Plätzen ausgestattete Anstalt gar mit rund 1000 Patienten überbelegt. Das Jahr 1945 markierte mit 435 Sterbefällen den traurigen Höhepunkt dieser menschenverachtenden Mordaktion an psychisch oder aber körperlich eingeschränkten Mitbürgern.


Anders als in anderen Heil- und Pflegeanstalten hatte zwar Wehnen die sogenannten Meldebögen erhalten, die an vier Gutachter weitergereicht wurden, welche dann ohne jegliche Anhörung oder Untersuchungsmaßnahmen vor Ort über den Tod der jeweilig gemeldeten Personen entschieden, jedoch waren über den ganzen Zeitraum des Euthanasieprogrammes hinweg keine Abtransporte aus dem Ortsteil Bad Zwischenahns zu verzeichnen. Ein vom Referenten vorgestelltes Einzelschicksal aus der Region Ostfriesland sorgte für Aufsehen unter den Anwesenden. Dieses handelte von einem laut Beschreibung noch körperlich recht vitalem dementen Landwirt, der neun Tage nach seiner Einlieferung an Herzversagen starb, was vielen doch recht suspekt erschien. Dass oben beschriebenes Unrecht doch direkt vor der Haustür geschehen ist, zeigt, dass Geschichte oftmals nicht irgendwo passiert, sondern diese durchaus eine greifbare Sache ist.


Als letzten Punkt sprach Dr. Alfred Fleßner die lokale Aufklärungsarbeit an, die bis in die 1990er Jahre hinein auf Widerstände stieß. So fanden sich beispielsweise Anfragen auf Akteneinsicht Angehöriger in den vermeintlich bereits vernichteten Akten wieder. Auch wurde beiläufig erwähnt, dass einige der während des Nationalsozialismus aktiven Mitarbeiter in Wehnen noch lange Zeit im selben Berufsfeld in der Nachkriegszeit tätig waren.


Anschließend folgte eine angeregte Diskussion mit dem Historiker.







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