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Ernste Weltliteratur voll leisem Humor

Meisterhafte Inszenierung von Franz Kafkas „Der Prozess“ begeistert das Publikum

Von DÉSIRÉE WARNTJEN
   |   
12.01.2014
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Uraufführung der neuen Bühnenfassung: Ein sprachlich und choreographisch ungemein dichtes Gesamtkunstwerk.
WILHELMSHAVEN
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Kafkas Werke sind nicht nur tiefgründig, sie können auch richtig Spaß machen: Mit der Landesbühnen-Inszenierung ihrer neuen Bühnenfassung von Franz Kafkas „Der Prozess“ präsentierten Oberspielleiterin und Regisseurin Eva Lange und Chefdramaturg Peter Hilton Fliegel dem Publikum bei der Premiere ein sprachlich und choreographisch ungemein dichtes Gesamtkunstwerk.


Während ihrer Arbeit an der Bühnenfassung hatten Lange und Fliegel sich sehr intensiv mit dem „Phänomen Kafka“ auseinandergesetzt, und neben der Vielschichtigkeit des als Fragment hinterlassenen Romans „Der Prozess“ auch den leise mitschwingenden Humor entdeckt.


Davon profitierte das Publikum am Sonnabend bei der Premiere und Uraufführung des Stücks: Als Regisseurin hatte Eva Lange den feinen kafkaesken Humor mit einer guten Einschätzung für ausgewogene Nuancierung in die Inszenierung einfließen lassen. Kein schenkelklopfender Spaß, das nicht – aber die in Vollendung vorgeführte Erkenntnis, dass selbst der ernsteste Stoff, in dem es gar um Leben und Tod gehen könnte, Absurditäten birgt, die innerlich lauthals auflachen lassen, ohne der Handlung dabei ihren Ernst abzusprechen, ist dem Dramaturgen der Regisseurin und insbesondere auch den Schauspielern meisterhaft gelungen.


Eine mutige Gratwanderung war es schon, ganz auf das eigene Gespür zu setzen, doch dieses Vorgehen war von absolutem Erfolg gekrönt. Apropos Gratwanderung: Diese zog sich wie ein roter Faden durch die Inszenierung, realistisch angedeutet durch den schmalen roten Balken, auf dem der Protagonist Josef K. fast während der gesamten 100-minütigen Aufführungsdauer steht. Eine körperliche Herausforderung für den Hauptdarsteller Sebastian Moske, der erst zum Ende in größere Bewegung gerät, sich bis auf das Hemd ausziehen lassen muss und dabei im besten wortwörtlichen Sinne auch noch die Hosen verliert, als es ihm immer vehementer an den Kragen geht.


Auch den weiteren Akteuren hat Eva Lange in ihrer Choreographie einige Akrobatik abverlangt: Das auf den ersten Blick recht nüchtern gestaltete zweistöckige Bühnenbild weist unzählige Türen auf, die während der fortschreitenden Handlung tatsächlich auch allesamt geöffnet und als Durchgänge benutzt werden. Was auf Grund fehlender Treppen für die Akteure nicht selten mit artistisch anmutenden Bewegungsabläufen verbunden ist.


Die Inszenierung der Textpassagen – mal im Sprechchor, mal in dichtem Schlagabtausch – steigert die Spannung und auch den Unterhaltungswert. Die Andeutung einer Traumebene gelingt exzellent durch den mangelnden Blickkontakt Josef K.s zu den ihn belagernden Personenkreis, der sich auszeichnet durch ebenso typisch bekannte wie absurde Charaktere. Dies schien auch ein wahres Fest für Christoph Sommer, Thomas Marx, Aom Flury und Felix Frederik Frenken in ihren wechselnden Rollen zu sein: Sie selbst schienen jede Nuancierung zu genießen und kosteten sie bravourös aus. Die weiblichen Figuren, dargestellt von Laura Machauer, Amélie Miloy und Aida-Ira El Eslambouly, agierten mit angenehmer Überzeichnung und brillierten mit ihrem äußerst facettenreichem Darstellungsvermögen.


Dem hochrational denkenden und agierenden Josef K., von Sebastian Moskes herausragend vorgeführt, wird die eigene Haltung gegenüber dem Vorwurf, der auf aberwitzige Weise nie erläutert wird, zum fatalen Verhängnis. Er überhört, in seinem eigenen Selbst gefangen, allzu lange die Andeutungen seines Umfeldes, die der aufmerksame Zuschauer durchaus wahrnehmen kann.


Diese Inszenierung konnte das Publikum als spektakuläre Interpretation des Kafka-Stoffes in jeder Sekunde, voll Konzentration und Spannung, genießen und dankte den Mitwirkenden nach der heftig-brutalen Beendigung des Prozesses mit stürmischem Applaus.


Weitere Aufführungen im Stadttheater sind am 27. Januar, 11.,15. und 26. Februar und 1. April sowie in Wittmund in der Aula Brandenburger Straße am 23. Januar und in Jever im Theater am Dannhalm am 24. Januar. Beginn ist jeweils um 20 Uhr. Karten im Vorverkauf gibt es beim Servicecenter (Telefon 04421 / 940145).







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