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Elmar Paulke: Kommt Zeit, kommt Dart

Deutscher „Darts-Papst“ glaubt an „großen Unbekannten“

Von CARSTEN REIMER
   |   
20.03.2014
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WITTMUND/ISMANING
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Die Worte Paulke und Dart (offiziell: Darts) lesen sich in Deutschland wie eine Dichotomie: Sie sind untrennbar miteinander verknüpft. Seit 2004 kommentiert der Fernseh-Journalist Elmar Paulke die Dart-Übertragungen für den TV-Kanal Sport1. Er machte die als Kneipen-Gedaddel verschriene Disziplin salonfähig und sich damit zum Heroen der Dart-Gemeinde. Paulke selbst misst dem jedoch kein allzu großes Gewicht bei. „Ich weiß, wie das zustande kommt“, sagt der Kommentator im Interview mit dem HARLINGER , „ich war der Erste, der im Fernsehen gesagt hat: Darts ist geil!“ Auch für ihn sei der Einstieg in die Szene zunächst schwer gewesen. Mittlerweile hat sich Paulke zum ausgewiesenen Fachmann der Sportart entwickelt. Dass einer der arrivierten Deutschen Spieler demnächst die Weltspitze der Professional Darts Corporation (PDC) angreifen kann, glaubt der von den Fans huldevoll als „Darts-Papst“ bezeichnete Journalist nicht. „Es wird jemand sein, den wir noch gar nicht kennen.“


Frage: Wie fühlt es sich an, Kult zu sein?


Paulke: Ich gebe dem Ganzen gar nicht so ein Gewicht, weil ich weiß, wie das zustande kommt. Ich war der Erste, der im Fernsehen gesagt hat: Dart ist geil! Und: Dart ist Sport, vor allem was das Mentale anbelangt. Ich glaube, die Dart-Gemeinde dankt mir dafür. Mich haben seit dem viele Leute angesprochen, die mir gesagt haben: ‘Ich hätte mich früher nie getraut zu sagen, dass ich Dart cool finde.’ Seit dem ich das mache, ist es irgendwie salonfähig geworden. (lacht) Gerade, wenn ich Turniere in Deutschland moderiere, bekomme ich sehr viel positives Feedback. Das ist schön.


Frage: Sie kommentieren Dart seit der Weltmeisterschaft 2005. Mussten Sie auch erst lernen, sich für den Sport zu begeistern?


Paulke: Ich hatte als Student eine Dart-Scheibe im Wohnzimmer hängen. Das war mein einziger Kontakt zum Dart bis dahin. Als mich damals das DSF fragte, ob ich die WM kommentieren wolle, bin ich zu einem Bundesliga-Spieltag gefahren, um ein Gefühl für den Sport zu bekommen. Das hat mich dann fasziniert, wie begeistert die Menschen dort alle waren. Damals habe ich auch noch anders kommentiert. Das hatte eher etwas von Günther Jauch - ich habe eigentlich nur Fragen an meinen Experten gestellt. Jetzt ist das zehn Jahre her und mittlerweile habe ich auch die Nähe zu den Profis.


Frage: Was für ein Miteinander der Spieler herrscht denn hinter der Bühne?


Paulke: Es ist wirklich eine große Familie. Trotzdem gibt es natürlich eine Konkurrenzsituation - logisch. Das sind Profis, die alle ihren Kühlschrank vollbekommen müssen. Aber die Dart-Spieler wissen, wo sie herkommen und was sie dem Sport zu verdanken haben. Das ist die klassische Arbeiterklasse. Phil Taylor hat früher 70 Pfund in der Woche verdient, weil er Toilettenpapierhalter zusammengeschraubt hat. Die merken irgendwann, ich spiele besser Dart als andere und legen so eine Karriere hin. Taylor verdient mittlerweile zwei bis drei Millionen jährlich. Und auch der weiß, wo er herkommt. Das empfinde ich als sehr positiv in dieser Dart-Szene. So war es auch als ich zum ersten Mal mit den Spielern in Kontakt gekommen bin. Taylor und van Barneveld haben für mein Buch (Anm. d. Red. „Darts. Die Erde – eine Scheibe“) das Vor- und Nachwort geschrieben und nie Geld dafür haben wollen. Das war für sie selbstverständlich, um das Projekt Dart in Deutschland weiter anzukurbeln. Das schätze ich sehr und es ist bezeichnend für die Kommunikation zwischen Journalisten und Spielern auf der Pro-Tour.


Frage: Was hat sich in Deutschland getan, seit dem Sie Dart kommentieren und wie wird diese Entwicklung in Großbritannien verfolgt?


Paulke: In Großbritannien wird die Entwicklung in Darts-Deutschland sehr positiv aufgenommen. Gerade auch die Turniere, die hier stattfinden. Die sagen auch: ‘Wartet mal ab, bis ihr einen habt, der ganz vorne mitspielen kann, dann gibt es den nächsten Aufschwung!’ Das ist dieser niederländische Effekt, auf den wir hoffen. Als van Barneveld zum zweiten Mal Weltmeister wurde, wurde er von 15000 Fans vom Flughafen abgeholt. Keine Ahnung, ob das hierzulande auch so funktionieren würde. Aber dieses Phänomen „Fernseh-Deutschland“ zeigt, dass wenn ein deutscher Erfolg da ist, auch das Interesse steigt. Das war bei Becker, Stich und Graf beim Tennis so oder bei Hannawald und Schmitt beim Skispringen. Auf diesen Effekt hoffen wir natürlich. Deswegen setzen wir auch große Erwartungen in Max Hopp. Von den älteren Spielern glaube ich allerdings nicht, dass es einer schaffen wird, vorne mitzuspielen. Es wird jemand sein, den wir noch gar nicht kennen.


Frage: Gibt es in Deutschland eine entsprechende Talentförderung? In vielen anderen Sportarten ist sie heutzutage Usus.


Paulke: Der Profi-Verband hat keine direkte Jugendförderung. Und beim Deutschen Dart Verband (DDV) hat man es versäumt, entsprechende Strukturen zu schaffen. Der hat nie Talente an die Hand genommen und gesagt: ‘Wir fördern Dich und helfen Dir da reinzukommen.’ Ein Andree Welge ist Mitte der Neunziger gefragt worden, ob er nicht zur PDC kommen wolle. Talente gab es also immer wieder. Warum auch nicht bei einer so hohen Einwohnerzahl? Aber da wurden nie Strukturen oder Trainingsprogramme geschaffen, mit denen du wirklich Spieler förderst und nach vorne bringst. Ein Weg wäre, den erfahrenen Spielern Nachwuchsspieler zuzuordnen, mit denen sie regelmäßig trainieren. So etwas findet aber nicht statt. Es gibt Vereine und Jugendturniere, die aber mit einem Leistungssportgedanken nicht viel zu tun haben. Es gibt mittlerweile Trainingsprogramme, mit denen man jede Einheit analysieren und Formkurven ermitteln kann. Das wird nicht gemacht. Übrigens auch von den Profis nicht.


Frage: Das fehlt also zum ganz großen Wurf.


Paulke: Wenn ein Max Hopp beim Turnier in Hildesheim einläuft, steht die Halle Kopf. Stellen Sie sich einmal vor, der kommt dort ins Halbfinale: Dann brennt die Hütte! Das würde auch ein TV-Zuschauer so erleben. Wenn ein deutscher Spieler da wäre, der Phil Taylor im WM-Halbfinale schlagen könnte, bleibst du dran.


Frage: Wie viel Pionierarbeit müssen Sie - gewissermaßen als deutscher Führsprecher des Dart - noch leisten, um die Sportart in der breiten Öffentlichkeit zu verankern?


Paulke: Ich habe den Eindruck, es ist eher die Zeit, die das regelt. Gerade auch bei der vergangenen WM habe ich noch einmal eine Entwicklung festgestellt. Auch bei Kollegen, die zunächst belächelt haben, dass ich Dart kommentiere. Auch die haben mir gesagt: ‘Ich bin hängen geblieben.’ Ich habe das Gefühl, dass die Leute immer mehr erkennen, dass Dart-Events einfach cool sind. Die schaut man sich gerne an. Als Kommentator wird es weiterhin meine Aufgabe sein, den Zuschauern das Geschehen zu erläutern. Aber ich habe den Eindruck, dass die Sportart mit jeder TV-Übertragung weiter an Akzeptanz und Ansehen gewinnt.


Die nächsten Dart-Übertragungen auf Sport1: Donnerstag, 20. März (20 Uhr), Donnerstag 27. März (23 Uhr).


Eine ausführliche Reportage über den Dart-Sport in Ostfriesland lest Ihr am Freitag im HARLINGER. Ein Video dazu seht Ihr hier:


www.harlinger.de/unterhaltung/harlingertv






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