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Krabben mit Stromstößen ins Netz holen

Dornumer Küstenfischer blicken besorgt und verärgert auf neue Technik der Niederländer

JEN
   |   
24.04.2012
[0]

 
Einige Aspekte sind vielversprechend, doch Folgen sind noch nicht erforscht. Einsatz für mehr Kontrollen.
DORNUMERSIEL
 – 

Die Dornumersieler Fischer sind verärgert. Doch diesmal geht es nicht um die Krabbenpreise, zumindest nicht direkt, sondern um die Grundtechnik ihres Handwerks und den Umweltschutz. Das Stichwort lautet: Elektrofischerei. Nach ersten „geladenen“ Fangversuchen ihrer niederländischen Kollegen befürchten die ostfriesischen Kutterführer große Schäden für Flora und Fauna und werfen den Befürwortern, die diese Technik als besonders schonend bewerten, Augenwischerei vor.


Bei dieser Fangmethode wird elektrischer Strom zum Fischen eingesetzt. Was vielleicht schon etwas heikel klingt, ist laut dem Niedersächsischen Landesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (Laves) „zum Schutz von Fisch und Mensch übereinstimmend in allen Bundesländern verboten oder stark eingeschränkt“, könne bei nicht sachgemäßer Anwendung große Gefahren bergen und werde daher nur vereinzelt mit Sondergenehmigung zu Forschungszwecken eingesetzt.


Erst kürzlich haben nun Dornumersieler Fischer beobachtet, wie ein niederländischer Kutter über mehrere Tage per Elektrofischerei in deutschen Hoheitsgewässern auf Krabbenfang war. Durchaus ein Grund zu Verärgerung, wie Dirk Sander, Vorsitzender des Landesfischereiverbands Weser-Ems, berichtet, denn während diese Fangmethode in den Niederlanden seit einiger Zeit als Versuch betrieben würde, seien die deutschen Fischer strikt dagegen.


Das Prinzip: Bei der Elek-trofischerei werden die klassischen Baumkurren durch leichtere Drähte ersetzt, durch die variable Stromstöße geleitet werden. Die Impulse sollen die Tiere aufscheuchen und ins Netz treiben. Damit solle ohne das klassische Rollengeschirr nicht nur der Meeresboden geschont, sondern auch der Treibstoffverbrauch sowie ungewollter Beifang verringert werden.


Was anfänglich alle begeisterte, nehme aber besorgniserregende Ausmaße an, wie Dirk Sander und seine Kollegen beobachten. „Kleine Tiere platzen durch den Stromstoß, das ist nachgewiesen“, sagt der frühere Dornumersieler Fischer Uwe Caspers. Der Greetsieler Fischer und Vorsitzende der örtlichen Erzeugergemeinschaft der Kutter- und Küstenfischer Emsmündung, Gerold Conradi berichtet von immer mehr toten und verunstalteten Fischen auf den Fangplätzen. Dennoch seien Politiker und einige Fischer der Idee wohlgesonnen, da eben einige Aspekte vielversprechend seien und höhere Fangerträge locken. „Bis jetzt findet die Küstenfischerei mit ihren Einwänden wenig Gehör bei der Politik und den Fischereiorganisationen in den Niederlanden“, so Conradi. „Wenn die Umsetzung auch in der Krabbenfischerei gemacht wird, müssen wir das Schlimmste befürchten.“


Dirk Sander, der ebenfalls erklärt, dass beispielsweise kleiner Kabeljau sich durch die Elektrostöße so stark krümme, dass ihm die Wirbelsäule breche, bezeichnet das Ganze als „gewaltige Augenwischerei“. In China sei die Fangmethode wieder verboten worden, weil der dortige unkontrollierte Einsatz von Elektrobaumkurren zu großen Schäden und Zerstörung geführt habe.


Doch nicht nur die Tatsache, dass die Fangmethode und deren Folgen für Flora und Fauna noch nicht vollständig erforscht seien, wie auch Naturschutzorganisationen wie der WWF und Greenpeace bestätigen, kritisiert Sander. „Die Holländer haben die ursprüngliche Idee unterlaufen und setzen sowohl die Elektrobaumkurre als auch das Rollengeschirr ein“, so Sander. „Damit fangen sie das Doppelte, aber die Umwelt ist ihnen egal. Wir wissen nicht, welche Langzeitfolgen die Stromstöße haben.“ Auch 80 Prozent der niederländischen Fischer seien dagegen. „Es ist mir schleierhaft, wie die übrigen 20 Prozent es fertiggebracht haben, die Technik als umweltschonend in Brüssel zu verkaufen.“


Von möglicherweise höheren Fangerträgen zeigt sich Sander unbeeindruckt. Im Gegenteil. „Was jetzt 500 Kutter einfahren, würde dann nur noch für 250 reichen und die anderen müssten verschwinden“, so Sander. Außerdem würden die Preise mit steigenden Erträgen sinken. „Es gibt genug Krabben, man kann auch mit der alten Methode genug fangen. Wenn man vernünftig damit umgehen würde, könnten viele Familien und Betriebe davon leben.“


Ein Erfolgserlebnis konnten die Dornumersieler Fischer immerhin verbuchen: Nach diversen Anrufen bei der Fischereiaufsicht und anderen Behörden solle der holländische Kutter nun kontrolliert werden, sobald er das nächste Mal in Sicht sei.







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