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„Esenser können ganz schnell Albanisch lernen“

Serie, Teil 1: Sphresa und Flurim Fazlijaj leben mit ihren fünf Kindern glücklich in der Bärenstadt

HIN
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09.09.2015
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Die älteste Tochter Edona macht in diesem Jahr am NIGE ihr Abitur.
ESENS
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Sie wachte in einem Bulli auf und war in einem anderen Land. An viel mehr kann sich Shpresa Fazlijaj nicht mehr erinnern. 1992 flohen ihre Eltern aus dem Kosovo nach Deutschland. Shpresa war damals zwölf Jahre alt. In ihrer Heimat habe man nicht mehr gewusst, wer einem gut gesinnt war und wer nicht. Ihre Eltern hätten die unsicheren Zustände schon Jahre bevor es zum Kosovokrieg kam, nicht ertragen können. Die albanische Familie fand schließlich eine Bleibe in Esens.


Die jetzt 36-jährige fröhliche Frau erinnert sich vielleicht deshalb nicht so sehr an ihre Kindheit in ihrem Geburtsland, weil sie, inzwischen mit einer eigenen Familie, einen festen Platz in der Bärenstadt Esens gefunden hat. Und nie vergessen wird sie die nachbarschaftliche Hilfe von Esenser Frauen, die sich um die Familie kümmerten und ihnen bei den ersten Schritten in der neuen Heimat halfen.


Sprhesa besuchte die Herbert-Jander-Schule in Esens, musste Deutsch lernen und machte den Hauptschulabschluss. Schon während der Schulzeit lernte sie ihren heutigen Mann kennen. Nicht etwa in Esens, sondern während einer Klassenfahrt nach Trier.


Flurim, ebenfalls aus dem Kosovo geflohen, kam allein nach Deutschland, sein Vater lebt noch in Albanien. Er kam nach Esens und gründete mit seiner Landsfrau eine Familie. Schon mit 18 Jahren war die Neu-Esenserin Mutter. Die älteste Tochter Edona ist jetzt 18 Jahre und macht in diesem Jahr ihr Abitur. Die Namen der Kinder fangen alle mit dem Buchstaben „E“ an, alle haben eine besondere Bedeutung. So heißt Edona Liebe, die 16-jährige Egxonita ist nach der Freude benannt. Der 14-jährige Endrit ist der Sonnenschein der Familie und Emin, zwölf Jahre alt, heißt nach dem Amen am Ende eines Gebetes. Mit sechs ist Elmedina (Dar El Medina ist ein ägyptisches Arbeiterdorf) das Nesthäkchen der Familie. Sie besucht den Kindergarten.


Die Familie lebt in einer Etage eines mehrstöckigen Hauses im Zentrum der Bärenstadt und ist sehr zufrieden. Die Mutter sagt, sie kann ihren fünf Kindern alles bieten, was sie brauchen. Sie hat nach der Geburt ihrer Kinder schnell wieder zu arbeiten begonnen, in der Gastronomie oder im Tourismus. Ihre Mutter und auch ihre älteste Tochter haben sie bei der Betreuung ihrer Kinder unterstützt.


Die Jungs spielen mit Begeisterung beim TuS Esens Fußball, die Mädchen sind fleißig in der Schule. Inzwischen arbeitet Sphresa von zuhause aus für die Firma, in der ihr Mann tätig ist.


„Ich bin stolz auf meine Kinder“, sagt sie, die ihre Kinder zweisprachig erzogen hat. Die Fazlijajs sind Familienmenschen. Fast täglich haben sie übers Internet Kontakt mit ihren Verwandten, die in Albanien geblieben sind. Einmal im Jahr fahren sie die Verwandtschaft besuchen. Die Kinder, alle in Esens geboren, hätten das anfangs nicht so gut gefunden, erzählt die Mutter. „Aber inzwischen fühlen wir uns sehr mit ihnen verbunden“, sagt Edona. Auch Verwandte in Deutschland, darunter viele aus Flurims Familie, werden regelmäßig besucht.


Die Kinder bringen ihre Schulfreunde mit nach Hause und Edona freut sich darüber, dass sie so viel Interesse an der albanischen Küche haben und auch an der Sprache. „Es ist doch erstaunlich, dass auch Esenser so schnellalbanischlernen können“, sagt sie. Sie bewirbt sich zurzeit auf einen Ausbildungsplatz als Sachbearbeiterin in einem Büro und möchte erst einmal in Esens bleiben. Auch hierbei steht der Familie mit Birgitt Hedlefs wieder eine Esenserin zur Seite.


Die Fazlijajs sind Muslime. „Bevor eines von uns Geschwistern eine Arbeit schreibt, beten wir“, sagt Edona. „Wir sind gläubig, aber wir Mädchen und auch meine Mutter tragen kein Kopftuch“, beschreibt sie mit klaren Worten ihre Einstellung zur Religion. „Wir besuchen keine Moschee“, sagt die Mutter. „Wir wohnen in Deutschland und leben mit der Kultur hier“, sagt sie bestimmt. „Und es gibt eben nur einen Gott“, ergänzt sie mit einem strahlenden Lächeln.







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Autor des Artikels
Heidi Hinrichs (HIN)
Wittmund
Lokalredaktion
Telefon: (0 44 62) 9 89 - 2 76
Fax: (0 44 62) 9 89 - 1 99
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