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Philip Simon: „Ich find’s gut, wenn’s weh tut!“

Kabarettist tritt in Wilhelmshaven auf

CARE
   |   
07.02.2018
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Der Kabarettist präsentiert sein neues Programm „Meisenhorst“ als Preview im Pumpwerk.
WILHELMSHAVEN
 – 
Einem größeren Publikum ist Philip Simon bekanntgeworden, als er 2013 den Sendeplatz des Moderatoren-Duos Yoko und Klaas im Digitalkanal ZDFneo übernahm. Fünf Jahre später  hat der studierte Deutschlehrer sein Profil deutlich geschärft, seinen verniedlichenden niederländischen Akzent längst ad acta gelegt und sich dafür einen dichten Vollbart wachsen lassen. Davon, dass allein diese Attribute seinem politischen Kabarett Nachdruck verleihen, kann sich das Publikum am 24. Februar (20 Uhr) im Wilhelmshavener Pumpwerk überzeugen. Der Künstler hat Großes vor, wie er am Telefon berichtet.


„Meisenhorst“ ist Ihr viertes Bühnenprogramm. Wie groß ist dennoch die Nervosität?

Nervosität ist es eher weniger, sondern eine positive Spannung, die einen aus dem Alltag herausreißt. Ich habe zwar noch nie ein Kind bekommen, kann das biologisch auch nicht. Aber ich könnte mir vorstellen, dass es ein bisschen in diese Richtung geht – mit deutlich weniger Schmerzen...

 


...wobei so mancher Ihrer Texte durchaus weh tut. Wie loten Sie für sich selbst die Schmerzgrenze aus?

Ich find’s gut, wenn’s weh tut! Ich finde es gut, wenn Kabarett und Theater verschiedene Emotionen bedienen. Das Lachen gehört für mich definitiv dazu, aber eben auch ein peinliches Berührtsein oder ein unangenehmer Moment.   

 


Es wirkt allerdings so, als würde sich eine gewisse Tragikomik durch Ihr bisheriges Schaffen ziehen.

Ach, das klingt so tragisch. (lacht) Zu Kabarettabenden kommt meist ein Publikum, das  mit der Person und den Themen etwas anfangen kann. Deshalb versuche ich es ein wenig aus der Komfortzone herauszuholen und Sachen zu servieren, die man nicht so leicht kauen kann.

 


Sie haben auf Lehramt studiert. Wie sehr schwingt das auf der Bühne mit?

Sie meinen das Belehrende? Ich hoffe, gar nicht! Von den Inhalten her gebe ich dem Publikum, glaube ich, mehr Fragen als Antworten mit auf den Weg. Ich habe natürlich eine Haltung auf der Bühne, aber ich gebe keine Wahlempfehlungen. Eigentlich ist die Idee, dass sich die Leute selbst um ihre Meinung kümmern sollen. Das Letzte, was man machen sollte, ist, sich bei einem Kabarettisten  die Meinung für den Alltag zu holen. Wir sind noch schlimmer als Politiker. Denn die werden gewählt und bekommen dann ihr Geld. Wir wurden ja schon vorher bezahlt.

 


Allerdings wirkt es mitunter so, als diene politisches  Kabarett – zum Beispiel die „heute Show“ – einigen als Nachrichtenersatz. Inwieweit sehen Sie diesen Trend?

Das ist ein Eindruck, den ich manchmal auch habe. Und ich halte das für  absolut  falsch. Wir können nicht die Arbeit von Journalisten verrichten. Natürlich recherchieren wir unsere Texte und überprüfen, ob die Fakten stimmen. Aber am Ende des Tages präsentieren wir eine ganz subjektive Sichtweise, die auch immer wieder die Position ändern kann.

 


Wenn wir beim Positionswechsel bleiben: Wie fuchsig macht Sie die gegenwärtige politische Situation? Wie aktuell können Sie mit Ihrem Programm überhaupt sein?

Natürlich habe ich aktuelle Bezüge drin. Allerdings habe ich schon in „Anarchophobie“ eher auf die tieferliegenden Themen geblickt: Was bedeutet Verantwortung? Das neue Programm „Meisenhorst“ dreht sich im Wesentlichen um das Grundgesetz – also diesen fast 70 Jahre alten Schmöker, den wir alle zu Hause liegen haben, den aber keiner wirklich gelesen hat. Die Initialzündung dazu kam, als mir in der Selbstreflexion aufgefallen ist, dass ich problemlos zehn Gebote aus der Bibel aufsagen kann, obwohl ich Atheist bin, es bei zehn Artikeln aus dem Grundgesetz aber schon dünne wird. Das hat sich im Feldversuch bestätigt. In einem säkularen Staat finde ich das sehr spannend. 

 


Besprechen Sie Ihr Programm vorab mit jemandem?

Nein, ich erprobe das Stück auf der Bühne und schaue, was passiert. Ab dem Zeitpunkt ist es eigentlich ein permanentes Arbeiten an den Texten. Aber das macht auch großen Spaß.

 


Sie spielen „Meisenhorst“ als Preview im Pumpwerk. Auf was kann sich Ihr Publikum einstellen?

Auf einen echt kabarettistischen Abend. Alles, was sie schon immer übers Grundgesetz wissen wollten, werden sie dabei nicht erfahren – aber immerhin einen Teil. Und zum Schluss, das kann ich versprechen, gibt es sogar noch den Sinn des Lebens.

 

 

Filipje gehört mittlerweile der Vergangenheit an

Im Fernsehen war der gebürtige Niederländer unter anderem mit seiner eigenen Sendung „Nate Light mit Philip Simon“ zu sehen. Darin war auch die ihm nachempfundene Zeichentrickfigur  Filipje zu sehen. Bis 2014 sprach der heute 41-Jährige während seiner Auftritte mit niederländischem Akzent, seitdem trägt er sein politisches Kabarett in akzentfreiem  Hochdeutsch vor. Simon hat Gemanistik, Geschichte und Philosophie auf Lehramt studiert und lebt in Köln und auf Texel. 

 

 

http://philipsimon.de/






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Autor des Artikels
Carsten Reimer (CARE)
Wittmund
Onlineredaktion
Telefon: (0 44 62) 9 89 - 262
Fax: (0 44 62) 9 89 - 1 99
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