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Tidebahn: Fahrplan nach Ebbe und Flut

Bahnlinie Jever-Harle existierte ziemlich genau 100 Jahre – 1989 begann Abbau der Strecke

Von MANFRED TERHARDT
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20.09.2019
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Eine Bahnstrecke, deren Fahrplan sich nach Ebbe und Flut richtet – diese Besonderheit gaben die Deutsche Bahn AG und der Landkreis Friesland vor 30 Jahren freiwillig und voreilig auf. 1989 wurde die Linie Jever-Harle stillgelegt. Sie „überlebte“ nur gerade mal 100 Jahre.
JEVER/HARLE
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Als am 1. September 1888 der erste planmäßige Zug von Jever aus losfuhr, endete er zunächst in Carolinensiel, denn der Rest der Strecke nach Harlesiel sollte erst knapp zwei Jahre später in Betrieb gehen. 1897 übernahm die Großherzoglich Oldenburgische Eisenbahn (GOE) von der privaten Jever-Carolinensieler Eisenbahngesellschaft die Strecke. Noch im selben Jahr wurde als Ergänzung auch die Wangerooger Inselbahn von der GOE in Betrieb genommen. Per Bahn und Schiff hatten nun die Bahnreisenden direkten Anschluss an die Insel.


1968 begann mit der Einstellung des „normalen“ Personenverkehrs der Niedergang der Strecke. Von nun an fuhren nur noch die sogenannten Tidezüge. Sie hießen so, weil sich ihr Fahrplan nach der Tide, also nach den Schiffsabfahrten richtete. Man kann auch sagen, sie fuhren nach dem Mond. Ende der 1970er-Jahre gab es dann die ersten ernsthaften Absichten zur Einstellung des Tideverkehrs.


Nachdem am 10. September 1986, also noch vor dem hundertjährigen Bestehen, ein von Eisenbahnfreunden festlich geschmückter letzter Tidezug gefahren war, wurde am Ende des Jahres nach heftigen Protesten von Bürgern, Eisenbahnfreunden sowie der Gemeinde Wangerooge und des Landkreises Friesland überraschend entschieden, dass auch 1987 wieder Tidezüge fahren sollten. Fahrgastzählungen sollten dann über das weitere Schicksal der Bahn entscheiden. Diese fielen jedoch negativ aus, sodass der Betrieb am 27. September 1987 endgültig eingestellt wurde. Als Hauptgrund für die Einstellung wurde ein Sanierungsbedarf am Oberbau und an der Brücke über das Tettenser Tief bei Garms genannt. Sie durfte in den Jahren vor der Stilllegung nur noch mit fünf Kilometern pro Stunde befahren werden.


Zum 100-jährigen Bestehen des Abschnitts Jever-Carolinensiel gab es 1988 keine Feierlichkeiten mehr. Allerdings verkehrten in diesem Jahr noch einige Sonderreisezüge nach Harle. Für 1989 wurden, abgesehen von einer Abschiedsfahrt mit der Lokomotive 216049 am 30. Juli 1989, keine Reisezüge mehr genehmigt. Schon im November 1989 begann dann der Abbau der Strecke, der bis Januar 1990 vollendet war.


Rückblickend betrachtet war die Stilllegung der Strecke voreilig. Vor allem vor dem Hintergrund, dass es zurzeit ernsthafte Überlegungen gibt, wieder eine Bahnverbindung von Esens nach Bensersiel einzurichten, wo 1967 der letzte Reisezug der Auricher Kreisbahn fuhr. Die Region bemüht sich nämlich, den Fährhafen Bensersiel wieder besser an das Schienennetz anzubinden. Eine Überbrückung von Esens bis zum Fährhafen per Bus findet bei den Reisenden keinen großen Anklang. Das gilt natürlich auch für die Verbindung vom Bahnhof Sande nach Harlesiel. Unter heutigen Gegebenheiten hätte es bestimmt keine Stilllegung gegeben. Doch so bleibt nur die Erinnerung, wenn man mit dem Fahrrad auf der ehemaligen Bahntrasse fährt.







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