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„Wenn Jini mal in den Kindergarten geht, dann...“

(Teil 6): Familie Bero flieht mit drei Kindern von Syrien nach Utarp – Gesundes Baby wird in Aurich geboren

HIN
   |   
09.09.2015
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Noch sind viele Behördegänge notwendig. Vor wenidigen Tagen sind Onkel und Tante der Kinder nachgekommen.
UTARP
 – 

Wenn Familie Bero über ihre Flucht aus Syrien und ihr Leben im Bürgerkriegsland erzählt, lässt keiner den anderen ausreden. Auch wenn sie sich alle in Utarp wohl und vor allem sicher fühlen: Die Erlebnisse der acht Monate langen währenden Flucht über Bulgarien, die Türkei und Ungarn lässt die Emotionen aufwallen. Sie denken an den Durst, als der Wasservorrat zu Ende ging und an Schläge von Polizisten in Bulgarien, die sie unter Waffengewalt zum Unterschreiben eines Asylantrags zwangen, der nun das Asylverfahren in Deutschland belastet. Sie erinnern sich auch an die Angst um Mutter Amal, die schwanger war und im April Tochter Jini im Auricher Krankenhaus gesund zur Welt brachte. Sie sind lange zu Fuß gegangen, haben ohne Toilette unter einem Baum geschlafen, später wurden sie in einem Auto mitgenommen und mussten darin zusammenrücken.


Ein vier Monate altes Baby wie Jini, in Deutschland geboren, das von Arm zu Arm der Familienmitglieder gereicht wird, zeigt am deutlichsten, dass es eine Zukunft für Familie Bero gibt, für die aber noch einige bürokratische Hürden genommen werden müssen. Wenn Jini einmal in den Kindergarten geht, möchte ihre Mama Amal vielleicht wieder als Friseurin arbeiten. Das hat sie in ihrer Heimat gemacht. „Bis die Beros arbeiten dürfen, muss das Asylverfahren aber erst einmal abgeschlossen sein“, stellt Bärbel Moeller pragmatisch fest.


Die Schulleiterin Utarps hilft der Familie bei allem Bürokratischen und vielem mehr, sie fährt sie zum Anwalt nach Aurich und zum Arzt oder zu anderen Behörden und hat immer ein offenes Ohr. Inzwischen ist sie zur „Oma“ der Familie Bero ernannt worden, denn die Kinder Loranz, elf Jahre alt, Lorissa, zehn, und Jusif, vier, haben die Lehrerin längst in ihr Herz geschlossen. Sie mussten ihre Oma und ihren Opa während der Flucht in der Türkei zurücklassen, da die zwei nicht mehr so gut zu Fuß waren.


Die Beros sind keine Muslime, sondern kurdische Jesiden. Das machte das Leben in der Heimat besonders schwer. Wenn man Georg und nicht Mohammed oder so heiße, sei man in Gefahr vor der Al Kaida, erklärt Familienvater Georg.


Die Beros haben nur wenig zum Anziehen und zu Essen und Trinken aus ihrer Heimatstadt Aleppo mitgenommen. Alles andere blieb zu Hause beziehungsweise wurde vorher gestohlen oder zerstört. Georg besitzt weder Papiere, die bescheinigen, dass er einen Führerschein besitzt, noch kann das Paar urkundlich beweisen, dass es verheiratet ist, weil die Unterlagen während der Unruhen verloren gingen. „Wo soll man Ersatzpapiere bekommen?“, fragt sich nicht nur Bärbel Moeller. Sie meint, an den bürokratischen Hürden kommt man als Helfer oder Integrationslotse schnell an seine Grenzen.


Die drei größeren Kinder können bereits gut Deutsch. Das Mädchen besucht die vierte Klasse der Grundschule, ihr großer Bruder kommt in die sechste Klasse der Oberschule Westerholt, der kleine Jusif geht in den Kindergarten Utarp und hält stolz zwei Finger hoch auf die Frage, wie es ihm dort gefällt: „Zwei Sachen gebastelt“, kräht er fröhlich.


„In Syrien nicht gut, in Deutschland alles gut“, sagt Vater Georg. „Die Menschen in Utarp sind alle supernett“, sagt die zehnjährige Lorissa. Die Familie wohnt in der ehemaligen Hausmeisterwohnung der Schule, die Reinigungshilfe der Schule hat ihnen eine Mülltrennungsfibel auf arabisch zusammengestellt, der Familie wurde ein Grill geschenkt, jeder hilft, wo er kann.


Vor einigen Tagen sind Tante Rachma und Onkel Jusif angekommen. Die beiden sind kinderlos und haben ebenfalls eine anstrengende Flucht hinter sich. „Rachma ist meine zweite Mama“, sagt Lorissa. Das Paar ist in der Heimat immer für die Beros da gewesen.


„Aber jetzt müssen wir erst einmal für die Registrierung der beiden sorgen“, sagt Bärbel Moeller, die in dieser Woche gemeinsam mit dem Paar zu diesem Zweck nach Bramsche ins Aufnahmelager fährt. „Hoffentlich können wir für die beiden eine Bleibe in der Nähe der Beros finden“, hofft die Utarper Lehrerin.







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Autor des Artikels
Heidi Hinrichs (HIN)
Wittmund
Lokalredaktion
Telefon: (0 44 62) 9 89 - 2 76
Fax: (0 44 62) 9 89 - 1 99
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