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Facebook und das Aktbild von Marienhafe

Nacktdarstellung zeitweise als „Verstoß gegen Gemeinschaftsstandards“ beanstandet

HBU
   |   
14.04.2019
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Das Werk von Michael Hentschel steht damit in einer prominenten Reihe von Kunstzensur-Fällen. Auch die „Kleine Meerjungfrau“ und das „Napalm Girl“ gehören dazu.
MARIENHAFE
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Ein bisschen sah es nach ostfriesischer Provinzposse aus, nach Rückständigkeit und Prüderie in einer ländlichen Region. Weil erboste Bürger sich über angebliche Pornografie beschwert hatten, ließen Mitarbeiter des Rathauses von Marienhafe im Frühjahr ein Kunstwerk abhängen. Die Fotomontage „Akt stehend“ des Konzeptfotografen Michael Hentschel machte daraufhin bundesweit Schlagzeilen und den Flecken mit seinen knapp 2400 Einwohnern schlagartig berühmt. Jetzt bekommt die Geschichte eine neue Wendung, denn nicht nur moralisierende Kunstbanausen stoßen sich an dem Kunstwerk, sondern auch die Algorithmen von Facebook.


Über den Fall von Zensur in Marienhafe hatte Anfang März auch der NDR auf seiner Internetseite berichtet und das beanstandete Bild veröffentlicht.


Wer, wie der Autor dieses Beitrags, den NDR-Beitrag danach auf Facebook geteilt hat, bekam an diesem Wochenende möglicherweise auch eine Nachricht von Facebook. „Dieser Beitrag verstößt gegen unsere Gemeinschaftsstandards hinsichtlich Nacktdarstellung oder sexuellen Inhalten, daher kann er von niemandem gesehen werden“, teilt das weltumspannende Social-Media-Netzwerk mit. Immerhin kann der Nutzer, dessen Beitrag „geblockt“ wurde, wie es Jargon der Netzwerke heißt, eine Überprüfung beantragen. Was auch erfolgt ist.


Das Kunstwerk von Michael Hentschel befindet sich mit diesem Akt der Zensur übrigens in bester Gesellschaft. Die 1908 in Niederösterreich bei Ausgrabungen gefundene Steinskulptur „Venus von Willendorf“ gehört ebenso zu den zensierten Bildnissen wie die berühmte „Kleine Meerjungfrau“ von Kopenhagen oder das historische Kriegsfoto „Napalm Girl“ des Fotografen Nick Ut, auf dem die neunjährige Kim Phuc nackt, verbrannt und hilflos schreiend vor dem Grauen des Brandbombenangriffs in Vietnam davonrennt. Ein Schwarz-Weiß-Bild, das mit dem Preis „World Presse Photo“ und dem Pulitzerpreis ausgezeichnet worden ist. Eine Ikone der Fotografie. Es wurde 2016 von Facebook gelöscht, weil es in Verdacht geriet, eine kinderpornografische Darstellung zu sein.


Wie die Frankfurter Allgemeine vor ein paar Monaten berichtete, hat eine Facebook-Sprecherin in Zusammenhang mit etlichen solcher Fälle darauf hingewiesen, dass seit 2015 zwischen expliziter Darstellung von Nackten und Kunstobjekten unterschieden werde. Abweichungen von diesem Vorgehen seien Fehler. Die kommen allerdings immer wieder vor.


Laut FAZ haben sich Witzbolde aus Kassel, nachdem Fotos der dortigen bekannten Herkules-Statue zensiert worden waren, auf ihre Weise gewehrt. Sie zogen mit einem Bildbearbeitungsprogramm ihrem Halbgott aus Kupfer kurzerhand eine knallrote Badehose an.


Mit Ironie ist man auch in Marienhafe der Zensur begegnet. Das Bild von Michael Hentschel ist wieder aufgehängt worden. Der Künstler hat die Fotografie aber nach dem Vorbild der spektakulären Aktion des Malers Banksy geschreddert und so in einem Bilderrahmen drapiert, dass die geschredderten Streifen unten heraushängen und nun weder Brüste noch Intimbereich des Aktmodells zu sehen sind.


Die Bitte um Überprüfung bei Facebook hat dann übrigens gefruchtet, nach ein paar Stunden war der geteilte Post wieder sichtbar. „Es tut uns leid“, teilte das Unternehmen mit, „dass wir das falsch aufgenommen haben. Wir haben deinen Beitrag noch einmal geprüft und bestätigt, dass er unseren Gemeinschaftsstandards entspricht.“







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Autor des Artikels
Helmut Burlager (HBU)
Jever
Redaktionsleitung
Telefon: (0 44 61) 9 44 - 2 81
Fax: (0 44 61) 9 44 - 2 99
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