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„Das Leben nach der Organspende ist so ein gutes“

Lina Rosenboom aus Hinrichsfehn war drei Jahre alt, als ihr zum ersten Mal eine Leber transplantiert wurde

LINA
   |   
15.04.2019
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HINRICHSFEHN
 – 

Anderthalb Jahre war Lina Rosenboom aus Hinrichsfehn alt, als sie zum ersten Mal aufgrund einer genetisch bedingten Lungen-Leber-Krankheit auf der Warteliste für eine Spenderleber stand. Es folgte ein Kampf gegen die Zeit und ums Überleben. Mit drei Jahren erhielt die heute 20-Jährige die lebensrettende Organspende. Doch es sollte nicht die letzte bleiben: 2013 benötigte die junge Frau erneut eine Leber – auch damals ging alles gut. Doch das Erlebte hat Lina Rosenboom geprägt. Seit Jahren setzt sich die 20-Jährige für die Organspende ein.

 

Frage: Frau Rosenboom, das Thema Organspende ist Ihnen so nah wie kaum ein anderes. Einen Großteil Ihres jungen Lebens haben Sie in Krankenhäusern verbracht, denn zwei Mal wurde Ihnen eine Spenderleber transplantiert. Seitdem setzen Sie sich unermüdlich dafür ein, über das Thema in der Öffentlichkeit aufzuklären.


Rosenboom: Ja, es geht mir vor allem darum, denjenigen zu helfen, die auf eine Organspende warten. Ich möchte, dass diese Menschen das Gefühl haben, nicht allein zu sein und immer noch Hoffnung behalten. Weil sich Leute, die in einem besseren körperlichen Zustand sind, für sie einsetzen. Diese Energie hat man ja manchmal nicht mehr, wenn man betroffen ist. Natürlich hoffe ich auch, dass wenn man als Verein auf die Straße geht, um über Organspende aufzuklären, faktisch mehr Organspender zu gewinnen, weil es letztendlich einfach mehr Leben rettet. Natürlich geht es mir auch darum zu zeigen, wie gut die Lebensqualität wieder werden kann, dass es sich lohnt für diese Sache einzutreten und immer weiterzukämpfen – weil das Leben danach so ein gutes ist und wieder so viel Wert hat. 


Frage: Nun haben die Zahlen der potenziellen Organspender in den vergangenen Jahren stagniert, meistens waren sie von einem Negativtrend behaftet. Hat Sie das je entmutigt?


Rosenboom: Es ist auf der einen Seite natürlich total enttäuschend zu sehen, dass die Zahlen immer weiter runtergehen und immer weniger Menschen bereit sind, zu helfen. Aber auf der anderen Seite finde ich, dass es eher noch mehr motiviert, als dass es demotiviert. Auch wenn die Zahl der Organspender sinkt, die Zahl der Erkrankten tut es leider nicht. Der große Rückgang der Organspenderzahlen nach dem Vergabeskandal ist glaube ich eher ein Symptom der Angst rund um das Thema, weniger die Meinung, dass es sich nicht mehr lohnt, zu spenden.

 

Frage: Es bleibt auch aktuell die Diskussion angesichts des sensiblen Themas. Bei vielen Menschen ruft die Organspende Angst und Verunsicherung hervor. Können Sie diese Beweggründe verstehen?


Rosenboom:
Das ist natürlich ein sensibles Thema. Es geht um Leben und Tod für beide Seiten. Niemand beschäftigt sich gerne damit, zu sterben, oder was passiert wenn jemand stirbt, der einem sehr wichtig ist. Trotzdem ist es tatsächlich so, dass es mir wirklich schwer fällt, diese Angst zu verstehen. Generell hängt die Verunsicherung, glaube ich, mit unzureichender Information zusammen. 

 

Frage: Wie sollte man mit diesen Gefühlen umgehen? 


Rosenboom:
Wenn ich auf der Straße, bei irgendwelchen Informationsveranstaltungen oder in Klassen bin, um mit Schülern über Organspende zu sprechen, und die mir sagen, dass sie Angst haben, stellt sich mir die Frage, woher die Angst kommt. Und konkret wovor die Angst besteht. Ich glaube aber, dass wenn man die Gründe erst einmal wirklich erfasst hat, dann kann man sie meist auch gut aus dem Weg räumen.

Frage: Unter Gesundheitsminister Jens Spahn scheint das Thema Organspende nun doch Fahrt aufzunehmen. Kürzlich hat der Bundesrat ein Gesetz gebilligt, das zur Verbesserung der Zusammenarbeit und Strukturen bei der Organspende beitragen soll. Ein Gesetzesentwurf zur Einführung der doppelten Widerspruchslösung wurde vorgestellt. Wie bewerten Sie diese Entwicklungen?

Rosenboom: Ganz unabhängig von der Organspende finde ich, dass Herr Spahn wirklich gute Arbeit leistet. Die doppelte Widerspruchslösung ist eine sehr gute und ausgefeilte Lösung. Ich finde, dass es dagegen nichts einzuwenden gibt. Natürlich wird man ein Stück weit gezwungen, sich mit dem Thema zu beschäftigen, aber ehrlicherweise muss man auch sagen, dass wir in einem Sozialstaat leben. In einem Staat, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, für andere da zu sein und die schwächeren Mitglieder der Gesellschaft mitzutragen. Kein Erkrankter hat jemals die Wahl, ob er dazu Lust hat oder nicht – und letzten Endes kann es jeden treffen. Obwohl ich damit nicht sagen möchte, dass sich jeder für die Organspende entscheiden muss.

 

Frage: Nehmen wir mal an, die Widerspruchslösung würde nun in Deutschland umgesetzt werden. Glauben Sie, dass sich gravierend etwas an der Zahl der potenziellen Spender ändern würde?


Rosenboom: Das weiß ich nicht. Das weiß keiner so wirklich. Fakt ist aber auch, dass wir in vielen europäischen Ländern um uns herum die Widerspruchslösung und deutlich bessere Organspendezahlen haben. Es ist bekannt, dass viele Menschen der Organspende grundsätzlich positiv gegenüberstehen, das aber nicht dokumentiert haben. Genau diese Menschen würde man dann mit der doppelten Widerspruchslösung erreichen. Was einfach gesehen werden muss ist, dass jeder Organspender, der dazu gewonnen wird, bis zu fünf Leben retten kann.

 

Frage: Wie geht es bei Ihnen und mit Ihrem Kampf für die Organspende weiter? Stehen Projekte an?


Rosenboom:
Zum einen engagiere ich mich ja für Transplant-Kids, ein Verein, der Freizeiten für Familien mit organtransplantierten Kindern anbietet und auch für die Kinder alleine, wenn diese alt genug sind. Dadurch wird das Selbstbewusstsein gestärkt und mehr Wissen vermittelt. Wir machen aber auch viel, um die Organspende mehr in den Mittelpunkt der Gesellschaft zu rücken. Zum Beispiel treten wir als Läuferteam beim Ossiloop an und Ende Mai beim Lauf zwischen den Meeren. Dort sind wir als Verein auch mit einem Stand vertreten. Und auch sonst engagiere ich mich in verschiedenen Vereinen rund um die Organspende, gebe beispielsweise mit anderen Transplantierten Unterrichtsstunden in Berufsschulen. Ich habe mittlerweile 18 Jahre Erfahrung damit, wie es ist, transplantiert zu sein. Diese möchte ich weitergeben. 






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Autor des Artikels
Lina Bromba (lina)
Wittmund
Volontärin
Telefon: (0 44 62) 9 89 - 1 97
Fax: (0 44 62) 9 89 - 1 99
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