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Einfach mal reden – ohne Plattdeutsch in Westerholt

Treffen für Zugereiste am 23. März in Westerholt – „Neu-Ostfriesen“ und die Sprache der Einheimischen

BUM
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22.02.2019
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Ostfriesen zeigen sich Zugereisten gegenüber sehr offen. Doch durch die Sprache grenzen sie die „Neuen“ oftmals aus.
UTARP/WESTERHOLT
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Viele Zugezogene sind nach Ostfriesland gekommen, weil sie nicht nur das Land, sondern insbesondere auch die Menschen hier lieben gelernt haben. Doch nicht wenige von ihnen haben ein Problem: die plattdeutsche Sprache. Um Zugezogenen jetzt einmal die Möglichkeit zu geben, einfach mal schwätzen oder babbeln zu können, ohne stets die Ohren gespitzt zu haben, kam Ursula Hartmann aus Utarp die Idee zu einem unverbindlichen Treffen von Neu-Ostfriesen, bei dem man einfach nur redet, sich austauscht, Kontakte knüpft und ähnliches. Oder wie der Ostfriese es kurz formulieren würde: zum Klönschnack am Sonnabend, 23. März, um 14 Uhr im Landgasthof „Alte Post“ in Westerholt.


Vor elf Jahren hat es Ursula Hartmann und Ehemann Klaus Werle-Hartmann nun schon Utarp aus Südhessen aus der Nähe des baden-württembergischen Mannheim nach Utarp verschlagen. Heute verstehen sie das Plattdeutsche sehr gut, obwohl ihnen regionale Unterschiede wohl aufgefallen sind. Ursula Hartmann, die selbstverständlich plattdeutsche Theater besucht, hat zwar entsprechende VHS-Kurse absolviert, doch mit dem Sprechen hapert es, zudem hört sich dann Platt in Verbindung mit dem hessischen Akzent recht gewöhnungsbedürftig an. „Ich bin doch keine Witzfigur“, betont sie und steht dazu, dass man sie sofort als Zugereiste erkennen kann.


Die Hartmanns kommen inzwischen gut zurecht. Das liegt allerdings auch daran, dass beide beruflich stets mit der Sprache konfrontiert werden. Klaus als Fernfahrer, der in Georgsheil seinen Heimathafen hat, und Ursula als Podologistin in einer Plattdeutsch-Hochburg wie Utarp. Doch gerade in ihrer Praxis machte die 58-Jährige die Erfahrung, dass sich nicht alle und vor allem ältere Mitbürger mit der eigenen Sprache der Ostfriesen schwer tun. Wie beispielsweise ihre Eltern, die „hinterher gezogen“ sind und jetzt in Schweindorf wohnen. Beide gehen an die 80 Jahre und haben jedenfalls Schwierigkeiten mit der Sprache.


Das bedeutet aber keinesfalls, dass der Ostfriese sich nicht bemüht, hochdeutsch zu sprechen. Doch befindet man sich in einer geselligen Runde, und der Ostfriese wendet sich von dem „Neuen“ zum anderen „einheimischen“ Nachbarn, dann ist natürlich wieder Platt angesagt, und der Zugezogene ist außen vor.


Seit Dezember reift in Ursula Hartmann die Idee, Zugezogenen einfach einmal in lockerer Runde die Möglichkeit zu geben, ungezwungen zu babbeln, schwätzen oder wie auch immer. Dabei könnten auch Erfahrungen ausgetauscht und Kontakte geknüpft werden. Sollte der Wunsch bestehen, könnte es dann sogar eine Wiederholung eines derartigen Treffens, zu dem natürlich nicht nur Bewohner der Samtgemeinde Holtriem eingeladen sind, geben. Eine Anmeldung ist zwecks Kaffee/Tee und Kuchen (7,80 Euro pro Person) für das ansonsten kostenfreie Treffen bei Ursula Hartmann (Telefon 04975 /755551) erforderlich.


Aber warum verlässt überhaupt jemand seine Heimat, wenn es nicht vielleicht wegen der Arbeit ist? Die Gründe sind auch bei Neu-Ostfriesen wie auch bei allen anderen Auswanderern vielfältig und nicht unbedingt immer logisch, weil auch zufällig. So wie bei den Hartmanns, die eigentlich wegen des Klimas nach Bayern umsiedeln wollten, dort aber nicht das Richtige gefunden haben. „Versucht es doch einmal am Jadebusen“, riet ihnen daraufhin eine Bekannte. Das Internet verschlug sie schließlich nach Aurich, die Suche nach einem bezahlbaren Haus nach Utarp. Das war im Januar 2008, kurze Zeit später folgte der Umzug – ohne Land, Leute und die plattdeutsche Sprache zu kennen.


Dass Letztere in Nordwesten so intensiv gepflegt wird, war der Hessin neu, denn nicht nur in ihrer alten Heimat würden die alten Dialekte verschwinden, ist sie überzeugt. Man könne sich mit allen gut unterhalten, der Akzent würde dann nur anders klingen.


Dafür hat die plattdeutsche Sprache aber einen Türöffner, der auch bei Zugereisten sofort ankommt: das freundliche Moin, das überall zu hören ist. Ähnliches habe es in Hessen nicht gegeben, ebenso wenig wie die inzwischen zahlreichen Windkraftanlagen in Utarp. Doch die sind ihr wesentlich lieber, als das nur fünf Kilometer entfernte Kernkraftwerk Biblis in ihrer alten Heimat. Dort habe es immer wieder Störfälle gegeben und für mulmige Gefühle gesorgt.


Ursula Hartmann und ihr Mann Klaus sind in Ostfriesland angekommen und fühlen sich wohl. Für sie war der Umzug nach Utarp die richtige Entscheidung – trotz der plattdeutschen Sprache.







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Autor des Artikels
Helmut Burmann (BUM)
Wittmund
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